Dieses von einem Gitarrenlehrerverband empfohlende Modell hielt beim ersten, kurzen Anspielen eigentlich alles, was mir Thomanns Werbung versprochen hatte. Durch die massive Zederndecke und den Palisanderkorpus hat sie einen ausgewogenen Klang. Ihre Halsform und Saitenlage macht sie gut bespielbar. Bundrein ist sie obendrein auch noch. Ein Gigbag in ansprechender Qualität wird von Thomann mit nur 1 Euro Aufpreis gleich mitgeliefert (Bundlekauf #83 beachten!). Die SE III basiert im übrigen wohl auf einer Höfner HZ 27 (349,00 Euro Thomann-Preis), mit dem Unterschied, dass ihr Korpus matt geölt ist und der Hals, im Unterschied zur HZ 27 ein wenig verändert worden sein soll.
Und da wären wir dann leider auch schon bei einem dicken ABER, das bei meiner Bewertung dieser Gitarre auch zu einer erheblichen Abwertung in Punkto Verabeitung führt und obendrein einen glatten Stern bei der Gesamtbewertung kostet: Es gab von Anfang an Probleme mit der gesamten Mechanik dieser Gitarre bei der tiefen E, aber auch vor allem D und G-Saite. Die Mechaniken knackten beim Drehen der Wirbel, was weder vom Sattel, noch vom Steg, sondern offensichtlich aus Richtung der Schneckenräder bzw. Stimm-Drehachsen der Gitarre kam. Auch ein Abnehmen der Flügel (sprich der Wirbel) und leichtes Schmieren der Schnecken half hier nicht weiter. Außerdem wirkten die Wirbel beim näheren Betrachten doch recht billig, eigentlich eher wie aus Kunstoff, anstatt aus Holz, trotz ihrer vorgeblichen "Oberflächenmaserung". Nachdem der Thomann-Werkstatt-Service an diesem Tage offenbar wg. Überarbeitung schlecht bis gar nicht erreichbar war, ich aber die Gitarre eigentlich doch so ansprechend fand, dass ich sie nicht gleich zurückschicken wollte, nahm ich direkten Kontakt zur Firma Schaller auf. Ich glaubte nämlich die Mechanik dieser "Thomann-Hausgitarre" als Schaller HG-1 mit Ebenholzflügeln (Einzelpreis immerhin ca. 85 Euro) zu erkennen und wollte eigentlich nur einen Rat vom Schaller-Service, ob ich das lästige "Knarzen" der Mechaniken beim Stimmen und Drehen an den Wirbeln auch selbst beheben könnte.
Einmal ins Gespräck gekommen, wollte Fa. Schaller ein Foto von meiner Höfner per E-Mail. Man "identifizierte" die Mechaniken zumindest auf dem Foto dann auch als "Original Schaller HG-1" und bot mir umgehend eine kostenlose Prüfung und eventuelle Überarbeitung an. Ich hatte sie wohl auch an ihrer Ehre gepackt, als ich was von "offenbar schlecht verarbeiteten Schaller-Mechaniken" erzählte. Das ist man als Kunde von Schaller ja auch nun wirklich nicht gewohnt. Die Schaller-Mechaniken an meiner uralten Fender Stratocaster haben über 35 Jahre auf dem Buckel und funktionieren noch wie am ersten Tag. Ich baute also die Mechaniken der Höfner ab (an jeder Seite ein zusammenhängender Dreier-Satz), was sehr einfach ging - man löst nur 8 kleine Holzschrauben und vorher natürlich die Saiten - und schickte alles zu Fa. Schaller.
Nur einen Tag später teilte mir Schaller mit, dass es sich - auch für sie äußerst überraschend - bei den Mechaniken dieser Höfner SE III augenscheinlich um eine "China-Kopie" ihrer hochwertigen HG-1 Mechanik handelt. Die Wirbel seien aus Plastik, nicht, wie beim Original aus Ebenholz. Einige Schneckenachsen seien so unpräzise gelagert, dass sie beim Drehen einfach knarren müssten, da sie Spiel hätten. Ansonsten gliche diese Mechanik bei äußerlich tatsächlich dem Original. Dann kam der erfreuliche Teil der Schaller-Mitteilung: Sie würden sie mir, ausnahmsweise, gegen eine original HG1 tauschen und behielten dafür das "China-Modell", sozusagen als "Erinnerungsstück." ;-). Ich stimmte natürlich zu und bedankte mich herzlich für diesen tollen Service.
Fazit:
Wenn man also theoretisch noch die Schaller-Qualitätsmechaniken dazu rechnen würde, spielte dieses "Thomann-Hausmodell" preislich mit dann ca. 450,00 statt 370,00 Euro doch in einer etwas höheren Liga und wäre vom Preis-Leistungsverhältnis nur noch bedingt empfehlenswert. Die (m. E. leider nur sehr mäßig verarbeitete) etwa halb so teure C80 von Yamaha klingt übrigens ähnlich gut. Die SE III spielt sich aber leichter und wirkt insgesamt auch wesentlich wertiger. Im Gegensatz zu den ärgerlichen Billig-Mechaniken, scheinen die Materialien für Korpus und Hals der Höfner wirklich hochwertig und, wie beworben, auch in Deutschland hergestellt bzw. verarbeitet worden zu sein. Behalten werde ich meine SE III nun in jedem Fall. Mit den original Schaller-Mechaniken hat sie nachträglich auch ein gutes Preis-Leistungsverhältnis und ist dann auch eine echte Empfehlung.
Ich würde mich als Intereressent daher vor dem Kauf erkundigen, was für Mechaniken montiert wurden. Vielleicht war ja alles nur ein einmaliger Ausrutscher des Gitarrenherstellers, oder, im schlimmeren Fall eine heimliche, unangekündigte Sparmaßnahme bei der jünsten Serie, um den scheinbar recht günstigen Preis zu halten. Wer weiß. Vor weiteren Versuchen beim Schaller-Service "China-Nachbauten" gegen originale Schaller-Mechaniken zu tauschen, würde ich allerdings abraten. Ich glaube, so was klappt nur einmal im Jahr und zwar am Nikolaustag ;-). In so einem Fall also lieber direkt an Thomann wenden, im Rahmen des Rückgaberechts zurücksenden, oder doch gleich ein anderes Modell in Erwägung ziehen.