Was Plexi-Pedale angeht, habe ich schon einige ausprobiert: das Marshall 1959 für 129€, das Carl Martin Plexitone für 139€ und auch das Tsakalis Room#40 für 219€. Dass aber ausgerechnet das Tone City Plexi für 65€ jetzt das einzige Pedal ist, das bleiben wird, sagt enorm viel über den Ministomper aus China aus. Okay, einen Röhrenamp sollte man schon sein eigen nennen um das volle Potential dieses kompakten Plexis ausnutzen zu können, aber dann geht so richtig die goldene Sonne auf.
Beim Anschalten des Pedals im Clean-Channel merkt man wie es direkt losrocken will. Sofort ist dieser "Bark", dieser "Bite" da, den sonst nur ein voll aufgerissener 1959 oder JTM bieten kann und sofort klingt es unheimlich gefällig nach "You shook me all night long" und "Should I stay or should I go?". Die Hauptmagie des Gain-Knobs liegt hier ca. im ersten Drittel des Regelwegs, schon allein hier bewegt sich der Charakter zwischen "Cleanboost" und "AC/DC". Alles darüber hinaus ist zwar nett, aber fügt dem Signal natürlich auch einen Noise-Floor hinzu, den man zum Abrocken nicht wirklich braucht. Den Volume-Regler am Pedal sollte man auf jeden Fall mit Vorsicht behandeln, da macht der V3 nämlich beachtlich Dampf.
Schaltet man das Pedal einem an- oder verzerrtem Kanal vor, so bekommt man direkt diese Marshall-esque Kolorierung des Klangs spendiert. Was sehr hilfreich sein kann, wenn man einen US-Amp britisch klingen lassen möchte. Tone und Volume sollten dann durchaus etwas weiter aufgerissen werden, den Gain nimmt man etwas zurück, damit der Charakter des V3 noch ausreichend durchkommt. Denkbar wäre hier auch, dass man Volume und Gain halb-halb reindreht, Tone 3/4 und fertig ist der "Tubescreamer".
Der Mod-Schalter nimmt im wesentlichen nur ein bisschen die Höhen raus, fast wie low-pass-Filter. Bei Amps die aber von Natur aus sehr "hell" im Klangbild sind, kann das aber durchaus hilfreich sein. Ingesamt bietet das Pedal ein recht helles und eher sprödes Klangbild, aber genau danach sucht man ja bei einem Plexi-in-a-Box. Es sollte noch erwähnt sein, dass der Tone-Regler beinahe wie ein zweiter Gainregler funktioniert - Mesa Boogie lässt grüßen - von daher sollte man diesen keinesfalls außer Acht lassen, um dem Sound den nötigen Feinschliff zu verpassen.
Das V3 ist wirklich ein erstaunliches Pedal, vor allem für diesen Preis. So viel Freude, so viel "Marshall-in-a-Box" feeling kam bei den deutlichen teureren Konkurrenzprodukten irgendwie nie auf. Ich frage mich wirklich, wie die Leute von Tone City das über die gesamte Produktpalette immer wieder hinbekommen. Fans von Classic Rock dürfen dieses Pedal auf keinen Fall verpassen!